Deutschland: Ökonomen warnen vor sozialer Rentenreform

Deutschland: Ökonomen warnen vor sozialer Rentenreform

In einer marktkonformen Demokratie ist kein Platz für gerechte Renten und ein faires Renteneintrittsalter. Ökonomen warnen vor den Gefahren einer sozialen Rentenreform.

BERLIN (fna) – Deutschland kommt aus der Rentendiskussion nicht heraus. Während die Konjunktur weiterhin auf Hochtouren fährt und die Konzerne Rekordgewinne einfahren, debattiert man in der Bundesrepublik über das Renteneintrittsalter und die Rentenhöhe. Immerhin steht auch Deutschland vor einem demographischen Wandel und dem will man mit entsprechenden Maßnahmen begegnen. Die renommierten Ökonomen des Landes fordern deshalb drastische Schritte.

„Sehen Sie, wir haben schon jetzt eie Nettoersatzrate von nur 56 Prozent, im Gegensatz zu rund 90 Prozent in Dänemark oder Österreich“, erklärt Ökonom Hans Wurstmann der Nachrichtenagentur fna. „Wenn wir das Renteneintrittsalter nicht auf mindestens 70 Jahre erhöhen, wird dieser Wert aufgrund der demographischen Veränderungen bereits in wenigen Jahrzehnten auf unter 50 Prozent sinken.“ Das hieße aber auch, dass man „mit deutlich mehr Altersarmut konfrontiert“ werde, „weil schon jetzt die Einkommen nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt halten.“ Deshalb müsse das Renteneintrittsalter rasch erhöht werden. „Wer länger arbeitet bleibt nicht so lange in der Altersarmut hängen.“

Prof. Horst Penner vom Institut für Marktkonforme Politik (IMP) betont: „Es kann ja nicht sein, dass wir den Unternehmen eine größere gesellschaftliche Verantwortung geben.“ So seien „stärkere Lohnsteigerungen oder Zusatzzahlungen in die Rentenkassen durch die Unternehmen“ seiner Ansicht nach „ein Schlag gegen die deutsche Wirtschaft.“ Denn: „Wir profitieren ja von der Lohnzurückhaltung, so dass wir deutlich mehr exportieren können. Sehen Sie sich doch einmal die Target2-Bilanz an, das haben wir ja auch unserer exportorientierten Wirtschaftspolitik zu verdanken.“ Nur so könne man den Wirtschaftsstandort Deutschland weiterhin attraktiv halten. „Wir müssen an heute und nicht an morgen denken. Da kann sich die Lage schon wieder deutlich von den Prognosen unterscheiden“, so Professor Penner, „das sehen Sie ja auch bei unserer Raterei in Sachen Wirtschaftswachstum, wobei wir ja alle drei Monate wieder unsere Prognosen revidieren, weil wir echt keine Ahnung haben, was los ist.“

„Humankapital ist nur zur Gewinnmaximierung da“, erklärt hingegen Dr. Elisabeth Kopf-Knall von der Dax-Stiftung für die Zukunft (DSZ). „Für die Unternehmen ist es ja in erster Linie wichtig, das Menschenmaterial… äh… die Mitarbeiter möglichst lange und effektiv zu beschäftigten. Das ist wie mit den Maschinen und Computern“, so die Ökonomin. „Wir müssen uns deshalb vorrangig damit beschäftigen, wie wir die Menschen so lange wie möglich im Arbeitsprozess behalten können. Gegebenenfalls auch mittels staatlich finanzierter Umschulungen und Kurse.“ Da man die Altersarmut ohnehin nicht wirklich verhindern könne, fordert Dr. Kopf-Knall eine Erhöhung des Flaschen- und Dosenpfands ein, „damit die Rentner auch ohne reguläre Arbeit noch ein Zusatzeinkommen haben.“

In der Bundesregierung sieht man das durchaus ähnlich. „Wissen Sie was los wäre, wenn wir eine wirkliche Rentenreform umsetzen würden, die auch tatsächlich eine Verbesserung mit sich brächte?“, so ein anonym bleiben wollender Staatssekretär. „Stellen Sie sich einmal vor, wir würden eine zweckgebundene Finanztransaktionssteuer zugunsten der Rentenkassen einführen, oder aber auch eine Rentenabgabe auf Gewinne – die Unternehmen würden Deutschland ja in Scharen verlassen.“ Immerhin produziere man ja vor allem für den Export und nicht für den Binnenkonsum, „auch wenn wir dafür leider faktisch nur Schuldscheine und Zahlungsversprechen erhalten, aber das ist dann nun eben so.“ Zudem habe Bundeskanzlerin Merkel ja auch eine „marktkonforme Demokratie“ gefordert, da ist für ein faires Renteneintrittsalter und gerechte Renten kein Platz.

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