Brüssel nimmt das Kindergeld selbst in die Hand

Brüssel nimmt das Kindergeld selbst in die Hand

Angesichts der heftigen Diskussionen über das Kindergeld für im Ausland lebende Kinder will nun Brüssel die Sache selbst in die Hand nehmen. So soll der Missbrauch eingestellt werden.

BRÜSSEL, BERLIN (fna) – In Deutschland, Österreich und anderen Ländern debattiert man seit einiger Zeit über das Kindergeld für im Ausland lebende Kinder. Da eine europäische Einigung auf nationalstaatlicher Ebene jedoch aufgrund verhärteter Fronten kaum wahrscheinlich ist, will nun die EU-Kommission die ganze Sache in die Hand nehmen und die Zahlung von Kindergeld organisieren.

„Wir werden einen Europäischen Kindergeldfonds (EKGF) einrichten, in den sämtliche EU-Mitgliedsstaaten einbezahlen und von dort aus die Sozialleistung bestreiten“, so EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen. Dabei sollen die Beiträge der Steuerzahler ebenso wie die Höhe des Kindergeldes künftig an das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gekoppelt werden. „Damit wollen wir auch mehr Gerechtigkeit schaffen“, erklärt die belgische Christdemokratin der Nachrichtenagentur fna.

Demnach soll der EU-Durchschnitt (2017: 29.800 Euro) als Basis gelten und mit 100 Euro festgelegt sein, sowie lediglich an Kinder ausbezahlt werden, die im Unionsgebiet leben. Das heißt, Kinder die in Deutschland (Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 39.500 Euro) leben, erhalten damit dann 132,55 Euro, jene die in Bulgarien (BIP/K: 7.100 Euro) eben nur 23,83 Euro. In Österreich (BIP/K: 42.000 Euro) lebende Kinder erhalten damit dann 140,94 Euro pro Monat. Absolute Spitzenreiter werden dann die Kinder in Luxemburg (BIP/K: 92.800 Euro) sein, für die monatliche 311,41 Euro bereitstehen.

„Wir denken, dass wir so auch den Anreiz zur Sozialmigration innerhalb der EU ein wenig einschränken können“, erklärt Thyssen. „Es kann ja nicht sein, dass Kinder nur des Kindergeldes wegen kurzzeitig nach Deutschland oder Österreich gebracht werden, und man sie dann kurze Zeit später wieder zurückschickt.“ Brüssel werde deshalb auch eine Behörde schaffen, in der gut bezahlte Kontrolleure die Familienverhältnisse regelmäßig überprüfen und so einen Missbrauch verhindern. „Insgesamt 120.000 Kontrolleure werden in allen 28 EU-Ländern unterwegs sein und unentwegt jene Familien besuchen, die Kindergeld beziehen“, so die Politikerin weiter. „Und wer betrügt, muss die gesamte bislang ausbezahlte Summe dann zurückerstatten.“

Share this post

Post Comment