Politikkarriere verwehrt: „Ich bin ein schlechter Lügner“

Politikkarriere verwehrt: „Ich bin ein schlechter Lügner“

Fred Fiedler (23) wollte Berufspolitiker werden. Doch weil er ein schlechter Lügner und Schauspieler ist, wollte ihn keine Partei haben.

OFFENBACH (fna) – Der 23-jährige Großhandelskaufmann Fred Fiedler wollte eigentlich immer schon in die Politik gehen und dort „etwas für die Menschen im Land bewegen.“ Doch schon bei den Jugendorganisationen der Parteien war es nicht leicht für ihn. „Egal ob Junge Union, Jungsozialisten, Junge Liberale, Linksjugend oder die Grüne Jugend, überall bin ich schon damals als Jugendlicher angeeckt“, erklärt der junge Offenbacher.

Nun, ein paar Jahre später und mit etwas mehr Erfahrung wollte er es erneut probieren, und zwar bei den Bundestagsparteien selbst. „Mir ist die Partei selbst ja eigentlich egal, da sie im Endeffekt ohnehin relativ ähnlich sind“, erklärt er, „deshalb habe ich mich gleich bei allen Parteien beworben.“ Er habe sich mit einem Bewerbungsschreiben, Lebenslauf und Motivationsschreiben bewaffnet in die Parteizentralen aufgemacht, und sich dort mit viel Selbstbewusstsein vorgestellt.

„Aber niemand wollte mich haben“, so Fiedler zur Nachrichtenagentur fna. „Ich sei zwar ein guter Rhetoriker, aber ich wäre zu ehrlich. Das sei schlecht.“ In der Politik erwarte man von den Abgeordneten, dass sie die Bevölkerung ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken direkt ins Gesicht lügen könne. „Bei jedem hypothetischen Fall den man mir vortrug und bei dem ich eine Erklärung dazu abgeben musste, bin ich gescheitert.“

„Auch sei ich zu schlecht im Arschkriechen“, beklagt er sich. „Ich solle mich nicht ständig auf mein ‚freies Mandat‘ berufen, sondern die Anordnungen der Parteispitze befolgen. Doch das kann ich mir dann vor meinen Wählerinnen und Wählern nicht verantworten.“ Er fragt sich deshalb, ob die ganzen Politiker einfach nur gewissenlose Karrieristen sind, die immer wieder gegen ihre eigenen Überzeugungen abstimmen, nur weil es der Fraktions- oder Koalitionszwang so will.

Fiedler überlegt sich nun, ob er nicht vielleicht doch eine eigene Partei gründen soll. „Es muss doch noch Menschen in Deutschland geben, für die die Politik nicht nur ein Selbstzweck ist, sondern eine ehrenwerte Aufgabe“, fragt er sich. Doch angesichts der ganzen Niederlagen hat er nur wenig Hoffnung, dass eine solche Partei überhaupt Chancen hat. „Offenbar mögen es die Leute, wenn sie immer wieder belogen, betrogen und hintergangen werden. Sonst würden sie doch nicht immer wieder dieselben Parteien wählen.“

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