Berlin will touristenfrei werden

Berlin will touristenfrei werden

Jährlich wird Berlin von Millionen Touristen heimgesucht. Den Berlinern reichts. Sie wollen die Gäste vertreiben – und sich ein Beispiel an den grantigen Wienern nehmen.

BERLIN (fna) – Unmengen an Touristen strömen Jahr für Jahr in die deutsche Hauptstadt. Nur wenige von ihnen buchen in den teuren Hotels, die meisten bevorzugen Billigabsteigen – weil das Budget eben doch knapp ist und man für wenig Geld viel sehen will. Ein Bett in der Massenabsteige für unter zehn Euro die Nacht und abends in den Clubs reichts dann gerade noch für zwei oder drei Getränke. So wird budgetiert.

Doch bei den Berlinern selbst kommt dieser Billig-Massentourismus nicht gut an. „Wir haben kein Herz für Touristen“, so eine Kellnerin in einem Szene-Restaurant. „Die Billig-Gammel-Touristen nehmen die Sitzplätze in Beschlag und konsumieren kaum etwas, so dass die Stammgäste zunehmend wegbleiben.“ Dementsprechend mau fällt auch das Trinkgeld aus. „Früher habe ich täglich noch im Schnitt 150 bis 200 Euro an Trinkgeld bekommen, heute kann ich froh darüber sein, wenn es trotz höherem Kundenaufkommen noch 100 sind.“

Ein namentlich nicht genannt werden wollender SPD-Bezirkspolitiker aus Friedrichshain-Kreuzberg sagte der Nachrichtenagentur fna: „Früher hatten wir ab und an mal Probleme hier mit Skinheads die Ausländer verprügelten. Inzwischen haben sich diese bereits mit den einheimischen Türken, Arabern und Afrikanern verbündet und machen Jagd auf Touristen.“ Gerade in den Gegenden mit den ganzen Clubs und Szene-Bars werde es immer schlimmer „und selbst die Drogendealer im Görlitzer Park verticken den Touristen nichts mehr. Kein Gramm Kokain und keine einzige Pille.“ Selbst einem bekannten Grünen-Politiker habe ein Dealer letztens nicht einmal mehr Crystal Meth verkaufen wollen, „weil der keen Berliner ist“, so ein Security-Mitarbeiter zur fna.

Quer durch die Stadt formieren sich nun Partei- und Bevölkerungsgruppen-übergreifende Initiativen, die eine Limitierung der Bettenanzahl in den Hotels, Hostels und Bordellen der Stadt fordern. Auch ein Fahrverbot für Reisebusse landete bereits auf der Forderungsliste. In der Berliner Gastronomie hat man sich schon darauf geeinigt, Touristen prinzipiell nur noch unfreundlich zu bedienen, lange warten zu lassen und ihnen in die Suppe zu spucken. „Irgendwann haben wir so einen schlechten Ruf, dass vielleicht nur noch die grantigen Wiener uns besuchen kommen“, so ein Szene-Wirt zur fna, „denn die kennen das ja auch schon von zu Hause.“

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