Die CDU laufe Gefahr, die jungen Menschen zu verlieren, gleichwohl es für eine Volkspartei ohnehin schwer ist, alle Interessen auszugleichen, sagt Sabine Kropp.

Das millionenfach aufgerufene Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo wird nach Einschätzung der Politikwissenschaftlerin Sabine Kropp noch keine massive Auswirkung auf das Verhalten jüngerer Wähler am bevorstehenden Wahlsonntag haben, offenbart aber ein erhebliches Risiko für die Partei von Kanzlerin Angela Merkel.

„Die CDU läuft mittelfristig Gefahr, die jungen Menschen zu verlieren“, sagte Kropp der „Rheinischen Post“. Die CDU habe nur noch einen Anteil von 12,7 Prozent unter den Wählern, die jünger als 18 Jahre sind. „Bei der Europawahl 2014 hatte sie noch mehr als 24 Prozent unter den unter 18-Jährigen. Deshalb hat sie einen Grund, nervös zu sein. Sie kann das nicht einfach laufen lassen.“

Union und SPD hätten es als Volksparteien aber schwerer als etwa die Grünen, weil sie eine viel größere Breite der Interessen ausgleichen müssten, sagte die Professorin des Berliner Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft. Sie betonte: „Es gibt keine monokausale Schuld einer einzigen Partei.“

Kropp mahnte: „Wir müssen aufpassen, dass unsere demokratische Institutionen nicht weiter delegitimiert werden, politische Prozesse brauchen Zeit und Ausgleich. Wir haben ein Recht darauf, unsere Meinung zu äußern, aber kein Recht darauf, dass jede unserer individuellen Forderungen vollständig umgesetzt wird. Dies ist ein Lernprozess, den alle, auch zurecht ungeduldige jüngere Menschen in einer Demokratie durchlaufen.“ Und natürlich seien auch die jungen Menschen Konsumenten, die den Klimawandel beförderten.

„Am Wochenende steigt auch die junge Generation ganz gern ins Flugzeug, um billig zu Freunden in Europa zu fliegen.“

Zugleich maß sie seriösen Journalisten die Aufgabe der politischen Einordnung des Videos zu – nicht des Faktenchecks. „Seriöser Journalismus verliert sich jetzt nicht im Faktencheck des Videos. Das kann nicht seine Aufgabe sein. Seriöse Journalisten ordnen diese einseitige Zuspitzung, die ein tauglicher Mobilisierungsversuch, aber nur eine begrenzte wissenschaftliche Argumentation ist, ins politische Tagesgeschäft ein.“

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