Der Wiedereinstieg in den Pflegeberuf soll künftig verstärkt gefördert werden – ebenso wie der Umstieg von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung. Der Sozialverband VdK fordert eine bessere Bezahlung von Fachkräften in der Branche, ohne zusätzliche finanzielle Belastungen für Pflegebedürftige.

„Viele beruflich Pflegende unterbrechen zeitweilig oder längerfristig ihre Berufstätigkeit oder steigen ganz aus dem Beruf aus“, das geht aus dem Abschlussbericht der „Konzertierten Aktion Pflege“ hervor, der an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt werden soll, berichten die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.

Dabei könnten sich viele, die wegen Überlastung oder aufgrund mangelnder Vereinbarkeit mit Familie oder Pflege von Angehörigen aus dem Beruf ausgestiegen seien, eine Rückkehr grundsätzlich vorstellen.

Sie hätten allerdings das Bedürfnis „nach flexiblen Arbeitszeiten, wenig Schichtdiensten und verlässlicher Dienstplanung“. Laut dem Bericht wollen die Partner der „Konzertierten Aktion Pflege“, zu denen auch Arbeitgeber und Träger zählen, Rückgewinnungsprogramme auf den Weg bringen.

Das Bundesgesundheitsminister sagte zu, eine finanzielle Förderung dafür zu prüfen. Außerdem soll der Anteil von „nicht gewünschter beziehungsweise unfreiwilliger Teilzeit“ in der Pflege deutlich reduziert werden. Die Pläne sollen an diesem Dienstag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Arbeitsminister Hubertus Heil und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) vorgestellt werden. Zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sollen auch Fachkräfte aus dem Ausland gezielt angeworben werden.

Den Plänen zufolge soll künftig verstärkt auf Digitalisierung in der Pflege gesetzt werden – zur Entlastung der Beschäftigten. So sollen ambulante Pflegedienste „spätestens ab dem 1. Oktober 2022“ ihre Leistungen nur noch auf elektronischem Weg mit den Pflegekassen abrechnen. Dadurch könnten jedes Jahr rund 523.000 Arbeitsstunden eingespart werden. „Diese Zeit könnte künftig für andere pflegerelevante Aufgaben zur Verfügung stehen“, heißt es in dem Bericht.

Sozialverband VdK pocht auf bessere Bezahlung von Pflegefachkräften

„Es ist richtig, dass Pflegekräfte unter besseren Bedingungen arbeiten und mehr Gehalt bekommen“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem „RND“ . „Allerdings ist schon jetzt absehbar, dass das Umsetzen einzelner Maßnahmen zu mehr Ausgaben in der Pflegeversicherung führen wird. Es darf aber nicht sein, dass die Kostensteigerungen den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden.“

Bentele sagte, es sei zu begrüßen, dass die Herausforderungen in der Pflege endlich angepackt würden: „Die Ergebnisse sind jedoch nur ein kleiner Schritt, es braucht unbedingt große Veränderungen im System Pflege.“ Der Eigenanteil Pflegebedürftiger müsse auf das derzeitige Niveau begrenzt werden.

„Mittelfristig ist eine Entkopplung der Eigenbeteiligung Pflegebedürftiger von den realen Kosten in der Pflege wichtig. Das lässt sich nur durch die Einführung einer Pflegevollversicherung erreichen, die sämtliche Kosten in der Pflege abdeckt“, sagte die VdK-Präsidentin.

„Um eine Pflegevollversicherung finanzieren zu können, braucht es Steuerzuschüsse, die die Mehrkosten der Pflegeversicherung ausgleichen.“ Da immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen seien, sollten die Eigenanteile perspektivisch sinken, so Bentele.

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